Bethlehem und die Menschenrechte

Wenn heute ein redlicher Mensch das Wort die Verfolgten hört, dann denkt er sogleich an die unzähligen Opfer vor allem der islamistischen Terroristen bzw. an die Rücksichtlosen martialischen Überfälle der neuimperialistischen Aggressoren. Ein Christ denkt darüber hinaus an Passion und grausame Kreuzigung Jesu. Das Wort „Verfolgung“ lässt unterschiedliche Arten und ungleiche Grade des Verfolgens zu.  Zu den Verfolgten zählen zunächst die Diskriminierten und allen Menschen „zweiter Klasse“. Auch ganzer Kasten sei es ganz wörtlich verstanden, sei es in einem übertragenen Sinn. Vielfach ist die Rede von „Randgruppen“. Gemeint sind bzw. waren z.B. Roma und Sinti. Auch die Juden waren nicht selten nicht willkommen in einer Reihe von Ländern. Pogrome rufen böse Erinnerungen wachen. Das Schicksal der Indios und Indianer ist nicht unbekannt. Viele Sklaventransporte kommen dabei in den Sinn. Zuvor gab es die Jagd auf zu Versklavenden – besonders in Afrika. Nicht zu vergessen sind die kolonialisierten Völker – weltweit. Sogar in Europa. Zu erinnern ist etwa an die Iren und Polen – Stichwort Teilungen Polens.              

Das dürfte kaum eine erschöpfende Liste sein. Das andedeute schwere Leidzufügen löste nicht immer Gewissensbisse, „Schuldgefühle“ oder gar Reue, zumal Wiedergutmachung.  Natürlich geht es bei diesen Erwägungen nicht nur um (längst) Vergangenes. Auch heute sind Millionen von Menschen gefährdet. Viele wurden verjagt, vertrieben, „in die Wüste geschickt“. Manche nagen am Hungertuch. Verwundung, Panik, Schrecken, Obdachlosigkeit, selbst Perspektivlosigkeit ist für sie kein Fremdwort. All das spielt sich nicht auf dem Mond ab, sondern auf unserem Planten Erde.  Solche Menschen – deren Menschlichkeit übersehen wird – müssen häufig nicht nur um ihre Zukunft, ihr Überleben und ihr „nacktes Dasein“ bangen.  Die weltweit meisten Verfolgten sind heute Christen. Aber Islamisten massakrieren auch anders glaubende Moslems. Für wie viele „Bootsflüchtlinge“ ist schon das Meer zum Friedhof geworden? Ist der Alptraum Rassismus (sprich z.B. Apartheid) nur noch eine schmerzliche Erinnerung? Oder: wird heute nicht mehr gefoltert?  Verlassen wir (gedanklich) das Inferno – das nicht an den Grenzen der totalitären Systeme stehen geblieben ist.  Was sollen wir tun? Die Lösungsversuch haben verschiedene Namen (und Gesichter): Dialog(e), Verhandlungen, Mut zu neuem Anfang, Buße, Sühne, Neubesinnung auf die eigene und „fremde“ Würde, die untrennbar von den Menschenrechten ist. Es wäre großartig sich stets an das Wort von Jan Twardowski zu erinnern: Beeilen wir uns die Menschen zu lieben. Sie ziehen so geschwind von dannen.

Witold Broniewski